Förderkrise im Freistaat

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Das prägendste Thema für die Mitgliedsunternehmen des VdW Bayern im Jahr 2025 war die bayerische Wohnraumförderung. 2024 wurden Fördermittelanträge mit einem Volumen von über 1,9 Mrd. € gestellt. Damit war das zur Verfügung stehende Budget deutlich überzeichnet. Zudem waren eine Vielzahl vorzeitiger Maßnahmenbeginne ausgesprochen worden. Hier wurde von Staatsminister Bernreiter zugesagt, alle diese Projekte auszufinanzieren; allerdings sind damit auch die Mittel aus 2025 und 2026 zum Großteil gebunden.

Förderpakete und neue Konditionen

Von der Bayerischen Staatsregierung wurden 2025 bzw. 2026 ein Sommerpaket (mit 100 Mio. €), ein Herbstpaket (mit 300 Mio. €) und ein Winterpaket (mit 600 Mio. €) zur Verfügung gestellt. Ein großes Thema sind die Auszahlungsmodalitäten. Die Anträge werden ab 2026 stufenweise bedient.

Die Auszahlung von Zuschüssen und Darlehen wird sich künftig auf fünf Jahre strecken. Insbesondere die kleinen und jungen Unternehmen, die Geld für die Zwischenfinanzierung brauchen, haben damit ein Finanzierungsproblem. Erfreulich ist, dass vom Freistaat zusätzlich eine Sondermilliarde für die Jahre 2026 und 2027 bereitgestellt wird. Diese soll aus dem Sondervermögen geleistet werden.

Ab 2027 soll es Jahresprogramme geben, auf die man sich bewerben kann. Die Frage ist, welche Voraussetzungen für eine Antragstellung erfüllt sein müssen. 

Anpassungen der WFB

Um den Wohnungsbau günstiger zu gestalten und zu beschleunigen, hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr die technischen Anforderungen aus den WFB entfernt. Künftig entfallen Vorgaben zu u.a.:

  • Wohnflächenobergrenzen

  • Individualraumgrößen

  • Anforderungen zur Barrierefreiheit

  • Vorgaben eines Freisitzes

Wichtig ist nun, dass auch die Kommunen auf Sonderwünsche und lokale Vorgaben möglichst verzichten. 

WohWi_zur_Sache_Wohnraumfoerderung_2026

Infoveranstaltung zur Zukunft der bayerischen Wohnraumförderung mit Ltd. Ministerialrat Roman Dienersberger im März 2026

Einfach Bauen

Gebäudetyp E - GWG Ingolstadt
Gebäudetyp E - Das Große kleine Haus eG
Gebäudetyp E - IGEWO

Eindrücke von Pilotprojekten der unter Beteiligung der Wohnungswirtschaft Bayern - GWG Ingolstadt, Das Große Kleine Haus eG und IGEWO

In Bayern konnten zuletzt bedeutende Fortschritte im Bereich des Gebäudetyp E erzielt werden. Die bayerische Wohnungswirtschaft begleitet die Entwicklung federführend mit. Stellvertretend für viele weitere Pilotprojekte stellen wir hier drei Projekte, die bereits Richtfest feiern konnten, näher vor.

Im Februar 2026 feierte die Genossenschaft Das große kleine Haus eG in München das Richtfest ihres Projekts, während das „Haus fast ohne Heizung“ der GWG Ingolstadt bereits seit November 2025 von Mietern bezogen wird. Anfang März fand zudem das Richtfest für sechs Holz-Hybridgebäude der IGEWO GmbH & Co. KG in Augsburg statt.

Das Große Kleine Haus eG -  München

Die Genossenschaft errichtet in München ein großes Gebäude mit Wohn- und Gewerbenutzung. Der Bau läuft seit 2024, eine Fertigstellung ist für 2026 geplant.

Das Projekt bietet 29 geförderte Wohnungen verschiedener Typen, darunter Clusterwohnungen und Kleinhaushalte für Jugendliche. Gemeinschaftsflächen wie eine Dachterrasse, Co‑Working‑Spaces und Geschossgemeinschaftsräume sind über einen Laubengang verbunden.

Mit Holzhybridbauweise, Recyclingmaterialien und vereinfachter Technik verfolgt das Projekt einen kostensparenden Ansatz. Vereinfachungen beim Schallschutz und der Haustechnik senken die Baukosten um rund 10 % gegenüber dem Standard und machen das Projekt zum Vorbild für nachhaltigen, günstigen Wohnungsbau im städtischen Raum.

IGEWO - Augsburg

Die Wohnanlage in Augsburg-Haunstetten entsteht als Holz-Hybridbau mit sechs Gebäuden der Typen A und B. Geplant von hey! Architektur für IGEWO, startet der Bau 2025 und soll 2026 fertiggestellt werden. Die Gebäude sind teils unterkellert, verzichten komplett auf Aufzüge und Tiefgarage, bieten aber laubengangartige Balkone mit außenliegenden Treppenräumen.

Das energetische Konzept entspricht dem EH 55-Standard: Stromdirektheizung plus Photovoltaik sorgen für weitgehend autarke Wärmeversorgung, Warmwasser wird dezentral erzeugt. Regenwasser wird oberflächennah bewirtschaftet, die Haustechnik ist bewusst reduziert und auch beim Schallschutz werden Standards vereinfacht. Ziel ist ein nachhaltiges, ressourcenschonendes und wirtschaftliches Wohnprojekt.

GWG Ingolstadt - Ingolstadt

Das Wohnprojekt der GWG Ingolstadt umfasst 15 geförderte Mietwohnungen mit minimalem Heizbedarf. Entwurf und Planung: Neuberger, Bohnert und Müller Architekten; Freiraumplanung: GWG Ingolstadt. Beginn 2024, Bezug ab Ende 2025.

Das Wohnhaus folgt dem Prinzip „Haus 2226“ und setzt auf eine effiziente Bauweise mit gedämmter Gebäudehülle, hoher Luftdichtheit und automatisierter Lüftung. Es kommt ohne zentrale Heizung aus; Wärme entsteht durch Bewohner, elektrische Geräte und Sonnenenergie. Bei Bedarf erfolgt Zusatzheizung über elektrische Fußbodenheizungen, Warmwasser dezentral per Durchlauferhitzer, unterstützt von einer PV-Anlage.

Das Gebäude besteht sortenrein aus Ziegel und Beton, ist recyclingfreundlich und nutzt recycelte Materialien für Fassade und Außenanlagen. Die Wohnungen sind robust ausgestattet, barrierefrei, verfügen über Ziegelböden, bodengleiche Duschen, Glasfaseranschluss und entweder Gartenanteil oder Balkon. Zusatzräume sind als Gartenhäuschen konzipiert.

Gemeinschaftsflächen und Spielplätze ergänzen das Angebot. Fahrradabstellplätze sind im Gebäude, die wenigen Stellplätze sind wasserdurchlässig gestaltet. Das Projekt gilt als Modell für nachhaltiges, wartungsarmes und energieeffizientes Wohnen ohne konventionelle Heiztechnik.